Vorschläge vom Klima Club Südtirol für die Umsetzung von zielführenden Maßnahmen im Rahmen des KlimaPlans Energie-Südtirol – 2050
Der Klimawandel verlangt dringenden Handlungsbedarf von uns allen, besonders gefordert sind aber die Entscheidungsträger, die jetzt die Weichen für eine klimafreundliche Zukunft stellen müssen. Mit dem Entwurf zum „KlimaPlan Energie-Südtirol-2050 Update 2021“ hat die Landesregierung eine Diskussionsgrundlage geschaffen, die in einem partizipativen Prozess einlädt, Vorschläge für das Erreichen der Klimaziele in Südtirol einzubringen. Der Klima Club Südtirol liefert Ideen dazu: „Ein wichtiger Schritt ist der möglichst schnelle Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, neue Technologien machen es möglich. Wir haben das aktuelle Knowhow in diesem Bereich gebündelt und der Landesregierung konkrete Maßnahmenvorschläge unterbreitet, wie Wärmepumpe, Photovoltaik und ein Landes-Klimasekretariat den Südtiroler Klimaschutz bedeutend voranbringen können.“ Folgend ein Auszug aus dem 14-seitigen Dokument, das der Landesregierung übermittelt wurde.
Die EU hat 2020 im Zuge des Green Deal für 2030 ambitionierte CO2-Reduktionsziele vorgegeben: die Emissionen der Treibhausgase sollen bezogen auf die Emissionen aus dem Jahre 1990 bis 2030 um 55% sinken. Die Mitgliedsstaaten müssen innerhalb 2023 ihre Ziele an diese Vorgaben anpassen.
In seinen „Vorschlägen zur Integration in den KlimaPlan Energie-Südtirol – 2050“ vom Dezember 2021 setzt der Klima Club Südtirol drei Schwerpunkte: die Wärmepumpen-Strategie, die Photovoltaik-Strategie und die Bildung einer Koordinationsstelle für die Planung und Umsetzung von klimarelevanten Maßnahmen.
1. Wärmepumpen – der richtige Ersatz für Heizungen mit fossilen Brennstoffen. Wärmepumpen haben – gemeinsam mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes – das Potential, die derzeit in Südtirol geschätzten 80.000 Heizungen mit fossilen Brennstoffen bis zum Jahr 2045 weitestgehend zu ersetzen. Der Klima Club Südtirol setzt entschlossenes und koordiniertes Vorgehen verschiedener Stakeholder voraus, um das ambitionierte Ziel zu erreichen:
- Gesetzgeber schaffen geeignete Rahmenbedingungen durch Anreize, z.B. in Form eines reduzierten Wärmepumpentarifs und geringem bürokratischen Aufwand in der Anschaffung; aber auch durch Verbote, so dass z.B. in Zukunft keine neuen fossilen Heizanlagen mehr installiert werden dürfen
- Spezialisierte Handwerker und Techniker sorgen für fachlich fundierte Beratung und Installation
- Eigenproduktion von Wärmepumpen in Südtirol, um den zukünftig großen Bedarf an Wärmepumpen landesintern abdecken zu können (= relevante Wertschöpfung für Südtirol).
Ambitioniertes, aber realisierbares Ziel: Bis 2045 sollen 60.000 fossile Heizungen mit Wärmepumpen ersetzt werden, als Zwischenziel gilt die Installation von 20.000 WP bis zum Jahr 2030, weitere 40.000 sollen bis 2045 folgen. Durch den Betrieb der WP mit erneuerbar erzeugtem Strom lassen sich auf diesem Weg bis 2045 ca. 80% der CO2-Emissionen der Heizanlagen aus dem Gebäudesektor einsparen. Die verbleibenden ca. 20.000 heutigen Heizanlagen mit fossilen Brennstoffen könnten durch die Verdichtung der Biomasse-Fernheizwerke sowie durch neue Mikronetze und Einzelfeuerungsanlagen mit Biomasse ersetzt werden.
Großes Einsparungspotenzial: Durch die gezielte Förderung der WP können die Importe von fossilen Brennstoffen (Erdöl und Erdgas) bis 2030 drastisch reduziert werden. Die Verringerung des Kaufkraftabflusses würde beim Ersatz von 20.000 fossilen Heizanlagen durch Wärmepumpen 50 Millionen € entsprechen.
2. Photovoltaik – das Instrument für die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Südtirol hat aufgrund seiner geographischen Lage viel Wasserkraft und kann somit bereits einen hohen Teil des lokalen Energiebedarfs mit regenerativen Energien decken. Jedoch sollte unser Land aus Solidarität zu anderen europäischen Regionen die regenerativen Energien und insbesondere die Photovoltaik massiv ausbauen. Die Photovoltaik ist im Gegensatz zu vielen anderen regenerativen Energieformen in der Bevölkerung weitgehend akzeptiert, da es kaum ästhetische Beeinträchtigungen gibt und keine Eingriffe in die Natur erforderlich sind. Zudem ist zu betonen, dass sich die Investitionskosten der Photovoltaik im Vergleich zu klassischen effizienzsteigernden Maßnahmen in relativ kurzer Zeit amortisieren, und somit wirtschaftlich sicherlich den interessantesten Beitrag zur CO2-Minderung bieten.
Situation in Italien/Südtirol: Aktuell sind in Italien PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 22 GW installiert. Das derzeitige Ausbauziel sieht eine Erhöhung auf rund 50 GW installierte Leistung bis 2030 vor. Die aktualisierten Ausbauziele für ganz Italien werden vermutlich bei bis zu 70 GW liegen. Somit sollte die Photovoltaik italienweit in den nächsten 8 Jahren in etwa verdreifacht werden. Der Aufteilungsschlüssel des nationalen PV-Ziels auf die einzelnen Regionen und Provinzen ist noch nicht definiert. In Südtirol sind derzeit PV-Anlagen mit insgesamt 260 MW Leistung installiert, je nach gewähltem Berechnungsschlüssel (installierte Leistung, Bevölkerungszahl, Bruttoinlandsprodukt usw.) könnten für Südtirol bis 2030 zwischen 350 und 700 MW an zusätzlichen PV-Anlagen, bis 2045 sogar insgesamt 1.800 MW erforderlich sein, um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Das ist durchaus machbar, eine Potenzialstudie der Eurac aus dem Jahre 2012 schätzte, dass in Südtirol allein auf Dachflächen rund 1.250 MW Photovoltaik sinnvoll installierbar sind. Ein Großteil der Anlagen kann somit auf oder an Gebäuden angebracht werden, rund ein Drittel wäre über Agri-Photovoltaik realisierbar. Hier muss die Gesetzgebung insbesondere in der Raumordnung aber erst die Rahmenbedingungen für den erforderlichen Ausbau von PV-Anlagen schaffen. Weiters sollte die Realisierung von PV-Anlagen in Kondominien und die Förderungen im Eigenverbrauch massiv verbessert werden.
Ein Vorschlag – die verpflichtende Flächenwidmung für die Gemeindeverwaltungen: Ein effizienter Weg für den Ausbau der Photovoltaik könnte die verpflichtende Flächenwidmung der Gemeinden für PV-Anlagen sein. Der Klima Club Südtirol schlägt vor: “Die Gemeindeverwaltungen sollten z. B. 100 MW des bis 2030 in Südtirol erforderlichen Photovoltaik-Ausbaus übernehmen und auf gemeindeeigenen Dächern und Flächen installieren. Jede Gemeinde kann autonom entscheiden, welche Flächen für den Ausbau der Photovoltaik herangezogen werden, je nach lokalen Gegebenheiten können es Dachflächen, Fassaden, Brachflächen, Lärmschutzwände, Agri-Photovoltaik usw. sein.“ Die Fläche, welche jede Gemeinde zur Verfügung stellen muss, ergibt sich aus einem Berechnungsschlüssel, bestehend aus den Parametern Bevölkerungszahl und Gemeindefläche (je 50%). In der Hypothese, dass die öffentliche Hand (Gemeindeverwaltungen) 100 MWp an PV Anlagen bis 2030 installieren will, ergibt sich für folgende Gemeinden laut den Berechnungen des Klima Clubs Südtirol beispielhaft dieser Flächenbedarf:
Völs am Schlern: 5.120 m²
Bruneck: 15.048 m²
St. Pankraz: 4.566 m²
Toblach: 9.348 m²
Glurns: 1.383 m²
Meran: 32.373 m²
Die Zahlen zeigen, dass es in den meisten Gemeinden reicht, die öffentlichen Dachflächen bzw. Parkplätze für die Erreichung der PV-Ausbauziele zu nutzen. Sollte eine Gemeinde der Verpflichtung nicht nachkommen, kann eine Reduktion der Gemeindefinanzierung wirksam werden.
3. „Klimasekretariat Südtirol“ – Struktur und Koordination bei der Umsetzung: Für den Klima Club Südtirol ist eine klare und starke Organisation (z.B. „Klimasekretariat“ genannt) die Grundvoraussetzung, um die ambitionierten Klimaziele erreichen zu können. Im Entwurf des Klima Planes der Landesregierung sind 100 Projektideen für die nahe Zukunft aufgelistet und es kann davon ausgegangen werden, dass im Laufe der nächsten Jahrzehnte noch sehr viele weitere Projekte dazukommen. Für die Planung, Koordination und Umsetzung umfangreicher Maßnahmen ist ein professionelles Projektmanagement unumgänglich.
Die Aufgabe eines Klimasekretariats sollte die Aufbereitung wichtiger wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse für die Entscheidungsträger, die Prüfung der Ergebnisse aus dem laufenden Monitoring zu den gesetzten Maßnahmen und der entsprechenden Erfolgskontrolle sein. Es garantiert somit Struktur und Kontinuität, aber auch die notwendigen Anpassungen in der Umsetzung des Klimaplans.
Ein vergleichbares Beispiel ist das “Klimasekretariat” der Stadt Kopenhagen. Dieses besteht aus ca. 12 Personen und ist zentral in alle Belange des Bereichs Klima involviert. Kopenhagen hat ca. 600.000 Einwohner und ist daher gut mit unserer Realität in Südtirol vergleichbar.
