Südtirol hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Klimaneutralität bis 2040. Zahlreiche Gemeinden bekennen sich öffentlich zu diesem Ziel und verabschieden Klimapläne sowie Nachhaltigkeitsstrategien. Dafür wird auch viel Steuergeld eingesetzt. Gleichzeitig prozessiert eine mehrheitlich im Besitz der Gemeinden stehende Gesellschaft gegen das Land Südtirol, dass weiterhin neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden dürfen.
Diese Entwicklung wirft eine zentrale Frage auf: Wie soll Klimaneutralität bis 2040 erreicht werden, wenn heute noch in fossile Heizsysteme investiert wird, die für Jahrzehnte in Betrieb bleiben?
Heizungsanlagen haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Jede neu installierte fossile Anlage bedeutet somit eine langfristige Bindung an fossile Energieträger – weit über den geplanten Zeitpunkt der Klimaneutralität 2040 hinaus.
Jede neue fossile Anlage erschwert die Erreichung der Klimaziele und widerspricht dem Grundsatz einer konsequenten Energiewende.
Statt dem Festhalten an fossilen Energien braucht es:
- klare politische Rahmenbedingungen für den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen und eine Strategie für die Stilllegung großer Teile der Erdgasnetze
- verbindliche Zeitpläne für Gemeinden, insbesondere für sogenannte Wärmepläne
- gezielte Förderungen und Beratung für Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse und andere erneuerbare Lösungen
Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf Klarheit: Welche konkreten Maßnahmen setzen die Gemeinden heute, damit das Ziel 2040 nicht zu einem bloßen Versprechen wird? Das Urteil mag juristisch begründet sein. Politisch bleibt jedoch die Verantwortung: Wer Klimaneutralität bis 2040 verspricht, muss aufzeigen, mit welchen konkreten Maßnahmen dieses Ziel realistisch erreicht werden soll. Klimaneutralität ist kein abstraktes Zukunftsprojekt – sie beginnt bei den Entscheidungen von heute.
Es ist längst entschieden, dass wir aus fossilen Brennstoffen aussteigen werden, dies ist auch auf Südtirols Klimaplan ersichtlich. Eine Abkehr von fossilen Energieträgern bringt Vorteile: Stärkung der lokalen Wertschöpfung, günstigere Energiepreise, innovativere Arbeitsplätze, geringere Abhängigkeit, und nicht zuletzt das Einhalten der Klimaziele.
Wir müssen in Südtirol einen gesellschaftlichen Konsens herstellen, wie der Ausstieg erfolgt. Da spielen vor allem die öffentlichen Verwaltungen (Gemeinden, Bezirksgemeinschaften und Land) eine entscheidende Rolle. Sie sollten bei diesem Thema an einem Strang ziehen und nicht durch gerichtliche Auseinandersetzungen wertvolle Zeit verlieren, die wir leider nicht mehr haben. „Es muss uns gelingen, bei so essentiellen, gesellschaftlichen Grundfragen einen Konsens zu finden, damit wir die unausweichliche Abkehr vom fossilen Zeitalter sozialverträglich und für alle leistbar planen und umsetzen können.” so der Klima Club Südtirol abschließend.
