Stellungnahme zu den Aussagen von Landesrat Schuler am 26.6.2023 zum Ausbau von Agri-PV in Südtirol 

Im heutigen Interview mit Rai Südtirol teilt Landesrat Schuler mit, dass Agri-PV nicht so schnell in Südtirol Fuß fassen wird und lenkt in Richtung Ausbau von bereits verfügbaren Flächen. Der Klima Club Südtirol nimmt dazu Stellung.

Der Klima Club Südtirol ist der Meinung, dass in Südtirol sehr wohl die Voraussetzungen – ja sogar eine Notwendigkeit – bestehen Agri PV-Anlagen zu errichten, wenn wir unsere gesteckten Klimaziele erreichen möchten. Wie vom Klima Club in vergangenen Berechnungen bereits aufgezeigt, ist es einerseits sinnvoll bereits versiegelte Flächen, wie z.B. jene für Parkplätze, für den Ausbau von Photovoltaikanlagen zu nutzen, jedoch muss erwähnt werden, dass die Kosten für diese Art von PV-Anlagen sehr teuer sind.  Deshalb sind wir der Meinung, dass sich diese Photovoltaikanlagen ohne eine drastische Veränderung der Rahmenbedingungen aus Kostengründen nicht großflächig umsetzen lassen. 

Wir ersuchen die Landesregierung daher offenzulegen, wie genau die Rahmenbedingungen so geändert werden, dass unter anderem Parkplatzüberdachungen großflächig und wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden können.

Wir schlagen der Landesregierung vor, dass  Südtirol sich so schnell wie möglich über den notwendigen Ausbau der PV-Anlagen und über die erforderlichen Flächen einigt, sowie mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung zwischen Politik und Zivilgesellschaft die Ausbauziele baldmöglichst vorantreibt. 

Fazit
Wir erwarten uns von der Landesregierung eine klare Entscheidung, ob sie für Agri-PV ist und wenn ja, wo, auf welchen Freiflächen und zu welchen Bedingungen werden diese erlaubt sein. Wenn die Landesregierung hingegen Agri-PV ablehnen sollte, ersuchen wir um konkrete Berechnungen und einen nachvollziehbaren Plan, wie sich die Flächen zusammensetzen, die notwendig sind, um bis 2040 klimaneutral zu werden. Dies ist die Voraussetzung, um in den kommenden Jahren für alle Stakeholder in diesem Bereich Planbarkeit zu ermöglichen. 

Klimaplan und kein Ende

Stellungnahme des Klima Club Südtirol zur aktuellen Debatte um den Klimaplan

Seit 4 Jahren arbeitet die Landesregierung am Klimaplan und schon wieder gibt es Verzögerungen. Dass der Klimaplan gesetzlich verbindlich wird und sich alle anderen Pläne danach richten müssen, scheint überhaupt in Frage gestellt zu sein. Wenn im selbsternannten “Klimaland Südtirol” bereits für die Erstellung eines Planes solche Zeiträume benötigt werden, wie lange wird dann der schwierige Teil, die Umsetzung konkreter Maßnahmen, dauern? 

„Klimaschutz dürfe nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung der Bürger werden“, war am Dienstag zu lesen. Dabei ist gerade das Nichthandeln, das Verzögern, das Taktieren, das, was uns Bürgern am Ende am teuersten zu stehen kommen wird. Die Dekarbonisierung der Gesellschaft erfordert Investitionen und ist nicht zum Nulltarif zu haben. Diese Investitionen werden sich allerdings mittel- bis langfristig positiv auf unsere Volkswirtschaft auswirken.

Das Zeitfenster, in dem wir überhaupt noch handeln können, wird sich bald schließen. Ein Mitglied der Landesregierung wurde auch mit den Worten zitiert „wir tun unser Möglichstes“. Angesichts der Tatsache, dass die letzten 20 Jahre viel zu wenig getan wurde, reicht das „Mögliche“ leider nicht mehr aus. Wir fordern die Landesregierung deshalb auf: tun Sie das “Notwendige”. 

Thomas Egger, Johann Czaloun, Martin Sulser, Ulrike Vent, Eva Ladurner, Roland Plank, Gerd Huber, Nicole Hofer

Arbeitsdokument zum „spezifischer Teil“ des Klimaplan Südtirol 2040

Aufgrund des kurzen verfügbaren Zeitrahmens war es uns nicht möglich, eine umfassende Analyse des „spezifischen Teils“ des Klimaplans Südtirol 2040 vorzunehmen. Auch war es nicht möglich, umfassend zu allen Themenbereichen auf Zahlen und wissenschaftlichen Grundlagen basierende Vorschläge und Stellungnahmen auszuarbeiten, wie wir es beim Entwurf “Klimaplan Energie-Südtirol 2050 Update 2021” gemacht haben. Uns ist aber die Dringlichkeit sehr wohl bewusst. Wir unterstützen ausdrücklich eine schnelle Verabschiedung des Klimaplans und vor allem eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen, auch wenn der vorliegende Plan (Teil 1 und Teil 2) aus unserer Sicht unvollständig ist. Im Rahmen unserer Möglichkeiten und in der Kürze der Zeit, haben wir eine Stellungnahme mit Ergänzungen, Vorschlägen und Anmerkungen erstellt. Unsere Stellungnahme ist aus diesem Grund auch unvollständig, teilweise nur stichwortartig und entspricht nicht zur Gänze unseren Ansprüchen. Die Vorschläge sind dennoch alle fundiert und sind teilweise in anderen Klimaplänen und/oder Klimagesetzen anderer Länder bereits enthalten.
Wie schon mehrmals mitgeteilt, sind wir der Meinung, dass viele Ziele, die im Klimaplan enthalten sind, sehr ambitioniert sind. Dies ist ein ausgesprochen positiver Aspekt und wir werden die Ziele und die Umsetzung derselben mit allen Möglichkeiten, die wir als Klima Club Südtirol haben, ausdrücklich unterstützen.

Besonders positiv hervorheben möchten wir:

  • Klimaneutralität bis 2040
  • Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen…des Schwerverkehrs um nahezu 100% bis 2037
  • bis 2030: Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um 40%
  • Ab 2023 dürfen keine mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizkessel zur Wärmeerzeugung in Wohngebäuden eingebaut werden
  • Die Genehmigung von Torfabbau wird unmittelbar eingestellt

Einen weiteren positiven Aspekt stellt das geplante Monitoring dar.

Ergänzungen:

  • Aus dem Plan und den einzelnen Vorhaben ist nirgends ersichtlich, ob die Maßnahmen ausreichen, um bis 2040 klimaneutral zu sein, auch nicht ob die Unterziele (z. B. 40% weniger Individualverkehr) erreicht werden können.
    • Machen Sie bitte ersichtlich, ob und in welchem Umfang die Maßnahmen dazu führen, dass die Ziele erfüllt werden.
  • Es fehlt eine Sektorenzuteilung des Kohlenstoff-Rest Budgets, die Definition von klaren Verantwortlichkeiten und die Angabe eines Kontrollorgans.
    • Machen Sie bitte ersichtlich, welchen Sektor welche CO2-Budgets und darauf aufbauend welche Einsparungsziele zugeteilt werden und definieren Sie die entsprechenden Verantwortlichkeiten.
    • Machen Sie bitte ersichtlich, welche Organisation, welches Amt, welche Institution die einzelnen Vorhaben kontrolliert, z. B. dass ab jetzt (2023) keine fossilen Heizungen mehr eingebaut werden dürfen.
  • Im Klimaplan fehlt die Budgetierung bzw. die Angabe von Kosten der einzelnen
    Maßnahmen
    • Machen Sie bitte ersichtlich, wie die einzelnen Maßnahmen finanziert werden sollen.

Wir sind der Meinung, dass außerdem noch folgende konkrete Punkte im Klimaplan berücksichtigt
werden sollen:

  • Konkrete Quantifizierung der CO2 Ersparnis bei den einzelnen Maßnahmen. Dies erleichtert die Kontrolle der Ziele und die Priorisierung der Maßnahmen.
  • Konkrete Maßnahmen und Kontrolle, dass ab jetzt keine direkten oder indirekten Förderungen mehr für die Nutzung von fossilen Energieträgern, wie z.B. für den Ausbau des Erdgasnetzes genehmigt werden und stattdessen diese Gelder dem Ausbau erneuerbarer Energieträger zur Verfügung gestellt werden.
  • Konkrete Maßnahmen für den Ausstieg aus den 80.000 fossilen Heizanlagen in Südtirol. Definition der entsprechenden Rahmenbedingungen, sowie des notwendigen Budgets, um die Wärmewende sozialverträglich umzusetzen.
  • Konkrete Maßnahmen wie die Radinfrastruktur wo, bis wann und mit welchen finanziellen
    Mitteln ausgebaut wird.
  • Konkrete Maßnahmen für den Ausbau der regenerativen Energien in Südtirol.
  • Ein höheres Ausbauziel für Fotovoltaik, da das Ziel, das im Klimaplan derzeit enthalten ist, unseren Berechnungen zufolge nicht ausreicht, um klimaneutral zu werden.
  • Schaffung des Klimasekretariats mit einer angemessenen Zahl an Fachleuten, die sich um
    die Umsetzung der gesamten Projekte kümmern.
  • Definition einer „Eskalationsstrategie“,die genau festlegt, was passiert, wenn z. B. ein Sektor seine Ziele nicht erreicht.

Es ist unserer Meinung nach essentiell, dass der Klimaplan als ein übergeordnetes Dokument eingestuft wird und seine Zielsetzung in allen anderen Rechtsakten berücksichtigt und wo sinnvoll die spezifischen Maßnahmen als übergeordnete Richtlinien mit aufgenommen werden. Machen Sie bitte ersichtlich, wie das gewährleistet sein wird.

Stellungnahme zum IPCC Bericht

Der neue Synthesebericht des Weltklimarates (IPCC) vom 20.03.2023 beginnt mit der Warnung „Tempo und Umfang der Klima-Aktionen reichen nicht aus, um den Klimawandel zu bekämpfen”.

Weltweit sind wir alles andere als auf Kurs 1,5°C. Auch in Südtirol wird Vieles angekündigt und zu wenig umgesetzt. Derzeit sind wir weltweit auf Kurs +2,7°C. 

Unser zögerliches Handeln ist die teuerste aller Varianten, denn es wird am Ende ein Vielfaches von dem kosten, was uns effektiver Klimaschutz kosten würde. Die Temperatur auf den großen Kontinentalplatten, also auch bei uns, erhöht sich ungefähr um das Doppelte als im globalen Mittel. Eine Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur auf +2,7°C (laut IPCC wahrscheinlich) würde daher für Südtirol laut Eurac Research ca. 5,5 Grad Temperaturerhöhung bis 2100 im Vergleich zum Jahr 1880 bedeuten. Die bisherige Temperaturerhöhung könnte sich in Südtirol also noch mehr als verdoppeln. 

Es passiert immer noch viel zu wenig!

Wir haben in den letzten beiden Jahren, seit der Gründung des Klima Clubs Südtirol, zahlreiche Vorträge und Workshops abgehalten und das Gespräch mit vielen Entscheidungsträgern gesucht. Wir sind zum Schluss gekommen, dass die meisten Menschen noch nicht wirklich wissen, wie sich die Klimakrise auf Südtirol auswirken wird. 

Der Klima Club Südtirol ruft die Landesregierung dazu auf, endlich konkrete Maßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen so verändert werden, dass die dringend notwendige Trendumkehr in Sachen Treibhausgase schnell eingeleitet werden kann. 

https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2022

https://www.eurac.edu/de/data-in-action/klimawandel-monitoring/jahresmitteltemperatur

Pressespiegel

Tageszeitung

Klimaplan und kein Ende

Stellungnahme des Klima Club Südtirol zur aktuellen Debatte um den Klimaplan

Mit Technologieoffenheit im Bereich des Südtiroler öffentlichen Personennahverkehrs in eine Sackgasse

Technologieoffenheit – ein Begriff, der im Bereich des Südtiroler ÖPNV in letzter Zeit immer öfter auftaucht. „Nicht nur Batterien, sondern auch der Wasserstoffantrieb mit Brennstoffzellen oder die Umrüstung von Dieselmotoren auf Wasserstoffantrieb sollen ausgebaut werden, Hauptsache grün.” Aber leider sind diese Systeme nicht gleichwertig in ihrer Umweltbilanz.

Der klare Kurs in Richtung batterieelektrischer Mobilität ist mittlerweile so gut wie bei allen Automobilherstellern klar erkennbar. Die Kundennachfrage bestätigt diese Entwicklung mit jährlich steigenden Zulassungszahlen von batterieelektrischen Fahrzeugen.

Technologieoffenheit bedeutet aber, neben batterieelektrischer Mobilität auch andere mögliche Antriebskonzepte wie Wasserstoff und E-Fuel zu fördern. E- Fuels und Wasserstoff-Treibstoffe haben dabei einen großen Vorteil: Wir müssen unser Verhalten nur geringfügig umstellen und aktuelle Tankstellennetze können erhalten bleiben. Das klingt im ersten Moment sehr vielversprechend. Die Effizienz der E- Fuels und Wasserstoff-Treibstoffe im Bereich der Mobilität sind jedoch leider eine Sackgasse. Der gesamte Herstellungsprozess der E- Fuels und Wasserstoff-Treibstoffe bis zum Antrieb auf der Straße ist sehr ineffizient: Diese Ineffizienz lässt den Strombedarf besagter Technologien praktisch explodieren. Man geht bei E- Fuels und Wasserstoff-Treibstoffen von einem drei- bis fünfmal so hohen Strombedarf wie bei einer batteriebetriebenen Fahrzeugflotte aus. Dieser Strom muss aus erneuerbaren Energien stammen, somit muss auch die drei- bis fünffache Menge an erneuerbaren Energien dafür bereit gestellt werden.

Den grünen Wasserstoff heute bei der Elektrifizierung der Gebäudeheizungen und der Mobilität einzusetzen, würde paradoxerweise zu einer weiteren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen führen, was wiederum die Klimaziele gefährdet. Die wertvollen Wasserstoff-basierten Brennstoffe sollten prioritär für jene Anwendungen eingesetzt werden, für die sie unverzichtbar sind: Teile der chemischen Produktion, Stahlerzeugung, Langstreckenflüge und möglicherweise einige industrielle Hochtemperaturprozesse. Mit dem aktuellen italienischen Strom-Mix würde die Verwendung von Wasserstoff-basierten Kraftstoffen in Bussen, Lastwagen oder Flugzeugen zudem mehr Ausstoß von Treibhausgasen verursachen als die Verwendung fossiler Kraftstoffe.

Die Frage nach der nachhaltigsten Antriebsform für die Mobilitätswende ist entschieden. Mit batteriebetriebenen Fahrzeugen ist es möglich umweltfreundlich, effizient und günstig zu fahren, mit E-Fuels oder Wasserstoff ist das wesentlich schwieriger. Die Meinung, dass diese vollkommen verschiedenen Antriebskonzepte in Zukunft dieselbe Chance haben, wird von vielen Experten stark angezweifelt.

Technologieoffenheit in diesem Bereich würde für Südtirol demnach bedeuten, dass hohe öffentliche Förderungen in eine ineffiziente Technologie (z. B. Umrüstung von dieselbetriebenen Bussen in Wasserstoff-Busse sowie Ankauf von neuen Wasserstoff-Bussen) investiert werden, die sich nach Meinung der meisten Experten niemals durchsetzen wird. Die entsprechenden öffentlichen Gelder würden dann wiederum an Stellen fehlen, die für die Erreichung der Klimaziele signifikant sein können.

Quelle: WTT (LBST, IEA, World Bank), TTW, T&E Calculations

Pressespiegel

Klimaschutz in Südtirol, so kann er gelingen!

Vorschläge vom Klima Club Südtirol für die Umsetzung von zielführenden Maßnahmen im Rahmen des KlimaPlans Energie-Südtirol – 2050

  • Gesetzgeber schaffen geeignete Rahmenbedingungen durch Anreize, z.B. in Form eines reduzierten Wärmepumpentarifs und geringem bürokratischen Aufwand in der Anschaffung; aber auch durch Verbote, so dass z.B. in Zukunft keine neuen fossilen Heizanlagen mehr installiert werden dürfen
  • Spezialisierte Handwerker und Techniker sorgen für fachlich fundierte Beratung und Installation
  • Eigenproduktion von Wärmepumpen in Südtirol, um den zukünftig großen Bedarf an Wärmepumpen landesintern abdecken zu können (= relevante Wertschöpfung für Südtirol).

Die Gründung des KCS