Hervorgehoben

Arbeitsdokument zum „spezifischer Teil“ des Klimaplan Südtirol 2040

Aufgrund des kurzen verfügbaren Zeitrahmens war es uns nicht möglich, eine umfassende Analyse des „spezifischen Teils“ des Klimaplans Südtirol 2040 vorzunehmen. Auch war es nicht möglich, umfassend zu allen Themenbereichen auf Zahlen und wissenschaftlichen Grundlagen basierende Vorschläge und Stellungnahmen auszuarbeiten, wie wir es beim Entwurf “Klimaplan Energie-Südtirol 2050 Update 2021” gemacht haben. Uns ist aber die Dringlichkeit sehr wohl bewusst. Wir unterstützen ausdrücklich eine schnelle Verabschiedung des Klimaplans und vor allem eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen, auch wenn der vorliegende Plan (Teil 1 und Teil 2) aus unserer Sicht unvollständig ist. Im Rahmen unserer Möglichkeiten und in der Kürze der Zeit, haben wir eine Stellungnahme mit Ergänzungen, Vorschlägen und Anmerkungen erstellt. Unsere Stellungnahme ist aus diesem Grund auch unvollständig, teilweise nur stichwortartig und entspricht nicht zur Gänze unseren Ansprüchen. Die Vorschläge sind dennoch alle fundiert und sind teilweise in anderen Klimaplänen und/oder Klimagesetzen anderer Länder bereits enthalten.
Wie schon mehrmals mitgeteilt, sind wir der Meinung, dass viele Ziele, die im Klimaplan enthalten sind, sehr ambitioniert sind. Dies ist ein ausgesprochen positiver Aspekt und wir werden die Ziele und die Umsetzung derselben mit allen Möglichkeiten, die wir als Klima Club Südtirol haben, ausdrücklich unterstützen.

Besonders positiv hervorheben möchten wir:

  • Klimaneutralität bis 2040
  • Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen…des Schwerverkehrs um nahezu 100% bis 2037
  • bis 2030: Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um 40%
  • Ab 2023 dürfen keine mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizkessel zur Wärmeerzeugung in Wohngebäuden eingebaut werden
  • Die Genehmigung von Torfabbau wird unmittelbar eingestellt

Einen weiteren positiven Aspekt stellt das geplante Monitoring dar.

Ergänzungen:

  • Aus dem Plan und den einzelnen Vorhaben ist nirgends ersichtlich, ob die Maßnahmen ausreichen, um bis 2040 klimaneutral zu sein, auch nicht ob die Unterziele (z. B. 40% weniger Individualverkehr) erreicht werden können.
    • Machen Sie bitte ersichtlich, ob und in welchem Umfang die Maßnahmen dazu führen, dass die Ziele erfüllt werden.
  • Es fehlt eine Sektorenzuteilung des Kohlenstoff-Rest Budgets, die Definition von klaren Verantwortlichkeiten und die Angabe eines Kontrollorgans.
    • Machen Sie bitte ersichtlich, welchen Sektor welche CO2-Budgets und darauf aufbauend welche Einsparungsziele zugeteilt werden und definieren Sie die entsprechenden Verantwortlichkeiten.
    • Machen Sie bitte ersichtlich, welche Organisation, welches Amt, welche Institution die einzelnen Vorhaben kontrolliert, z. B. dass ab jetzt (2023) keine fossilen Heizungen mehr eingebaut werden dürfen.
  • Im Klimaplan fehlt die Budgetierung bzw. die Angabe von Kosten der einzelnen
    Maßnahmen
    • Machen Sie bitte ersichtlich, wie die einzelnen Maßnahmen finanziert werden sollen.

Wir sind der Meinung, dass außerdem noch folgende konkrete Punkte im Klimaplan berücksichtigt
werden sollen:

  • Konkrete Quantifizierung der CO2 Ersparnis bei den einzelnen Maßnahmen. Dies erleichtert die Kontrolle der Ziele und die Priorisierung der Maßnahmen.
  • Konkrete Maßnahmen und Kontrolle, dass ab jetzt keine direkten oder indirekten Förderungen mehr für die Nutzung von fossilen Energieträgern, wie z.B. für den Ausbau des Erdgasnetzes genehmigt werden und stattdessen diese Gelder dem Ausbau erneuerbarer Energieträger zur Verfügung gestellt werden.
  • Konkrete Maßnahmen für den Ausstieg aus den 80.000 fossilen Heizanlagen in Südtirol. Definition der entsprechenden Rahmenbedingungen, sowie des notwendigen Budgets, um die Wärmewende sozialverträglich umzusetzen.
  • Konkrete Maßnahmen wie die Radinfrastruktur wo, bis wann und mit welchen finanziellen
    Mitteln ausgebaut wird.
  • Konkrete Maßnahmen für den Ausbau der regenerativen Energien in Südtirol.
  • Ein höheres Ausbauziel für Fotovoltaik, da das Ziel, das im Klimaplan derzeit enthalten ist, unseren Berechnungen zufolge nicht ausreicht, um klimaneutral zu werden.
  • Schaffung des Klimasekretariats mit einer angemessenen Zahl an Fachleuten, die sich um
    die Umsetzung der gesamten Projekte kümmern.
  • Definition einer „Eskalationsstrategie“,die genau festlegt, was passiert, wenn z. B. ein Sektor seine Ziele nicht erreicht.

Es ist unserer Meinung nach essentiell, dass der Klimaplan als ein übergeordnetes Dokument eingestuft wird und seine Zielsetzung in allen anderen Rechtsakten berücksichtigt und wo sinnvoll die spezifischen Maßnahmen als übergeordnete Richtlinien mit aufgenommen werden. Machen Sie bitte ersichtlich, wie das gewährleistet sein wird.

Der Klima Club Südtirol fordert eine Neubewertung der Pläne im Gadertal

Klimaneutralität 2040 und neue Gasinfrastruktur:
Der Klima Club Südtirol fordert eine Neubewertung der Pläne im Gadertal

Neue fossile Infrastruktur im Gadertal, während Südtirol bis 2040 klimaneutral werden will: Der Klima Club Südtirol fordert einen sofortigen Stopp der Planung und eine Strategische Umweltprüfung. Besonders widersprüchlich: Das Landesamt für Raumplanung erkennt selbst die grundsätzliche Fragwürdigkeit einer solchen Investition an, hält eine Strategische Umweltprüfung (SUP) aber dennoch für nicht erforderlich.

Das Land Südtirol hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Gleichzeitig soll im Gadertal im völligen Widerspruch dazu eine neue Erdgas-Verteilungsleitung errichtet werden. Die geplante Bauleitplanänderung der Gemeinden St. Vigil in Enneberg, St. Martin in Thurn und Wengen sieht die Eintragung einer neuen Verteilungsleitung vor, die die Versorgung mit Methangas von St. Vigil bis nach Wengen (St. Genesius) sicherstellen soll.

Für den KCS ist dieses Vorhaben angesichts der Klimaziele des Landes nicht nachvollziehbar. „Wie soll Südtirol 2040 klimaneutral sein, wenn heute noch neue Infrastruktur für fossile Energieträger geplant und gebaut wird?“, fragt der Klima Club Südtirol. „Eine neue Gasleitung ist keine Brücke in eine klimaneutrale Zukunft. Sie schafft vielmehr eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte genutzt und finanziert werden soll – und damit genau jene fossilen Strukturen verfestigt, von denen Südtirol laut seinen eigenen Klimazielen wegkommen muss.“ Durch den Bau neuer fossiler Infrastrukturen schädigen wir nicht nur nachweislich das Klima, sondern erhöhen die Abhängigkeiten und fördern den Kaufkraftabfluss. Nach Rekordhitze und ständig steigenden Preisen für fossile Energien sind solche Entscheidungen nicht zu rechtfertigen und widersprechen jeder Logik.

Landesamt erkennt Widerspruch – zieht aber keine Konsequenzen

Besonders kritisch sieht der KCS die Beurteilung durch das Landesamt für Raumplanung. In ihrem Gutachten wird ausdrücklich die Frage aufgeworfen, „ob es im aktuellen Kontext der Energiewende und im Hinblick auf die Ziele zur Emissionsreduktion noch zweckmäßig ist, derart kostenintensive Infrastrukturen für fossile Brennstoffe zu errichten, anstatt Alternativen vorzusehen, die stärker mit den Grundsätzen der ökologischen Nachhaltigkeit vereinbar sind“. Diese Frage ist aus Sicht des KCS nicht nur berechtigt – sie müsste der Ausgangspunkt einer ernsthaften Prüfung des Projekts sein.

Stattdessen kommt dasselbe Landesamt zum Schluss, dass die Änderung der Bauleitpläne nicht dem Verfahren der Strategischen Umweltprüfung (SUP) unterzogen werden soll.

„Das Gutachten benennt selbst den zentralen Konflikt: neue fossile Infrastruktur steht im Spannungsfeld zur Energiewende und zu den Emissionsreduktionszielen und widerspricht somit direkt dem Klimaplan des Landes. Unmittelbar danach wird entschieden, dass gerade keine Strategische Umweltprüfung notwendig ist. Das ist schwer nachvollziehbar.“ Gerade bei einem Projekt, dessen Sinnhaftigkeit vor dem Hintergrund der Klimaneutralität 2040 grundsätzlich infrage gestellt wird, brauche es aus Sicht des KCS eine umfassende und transparente Prüfung der langfristigen ökologischen und klimapolitischen Auswirkungen.

Klimaziele dürfen nicht nur auf dem Papier bestehen

Der Widerspruch zwischen politischen Zielsetzungen und konkreten Investitionsentscheidungen ist für den KCS symptomatisch: Auf dem Papier soll Südtirol den Ausstieg aus fossilen Energieträgern vorantreiben, gleichzeitig wird weiterhin Infrastruktur für deren Nutzung geplant.

„Klimaneutralität 2040 beginnt nicht 2039. Sie beginnt heute.“

Wer heute neue Gasinfrastruktur errichtet, müsse auch die Frage beantworten, wie diese Infrastruktur mit dem angestrebten Ausstieg aus fossilen Energieträgern vereinbar sein soll. Dabei gehe es nicht nur um die heutigen Emissionen, sondern auch um langfristige Investitionen, deren wirtschaftliche und infrastrukturelle Lebensdauer weit über die kommenden Jahre hinausreichen kann.

Der KCS fordert deshalb, die Planung der Gasleitung sofort zu stoppen und vor einer weiteren Entscheidung transparent zu prüfen, ob die vorgesehenen Investitionen nicht stattdessen in zukunftsfähige Lösungen fließen können – etwa in Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Speichersysteme und andere Lösungen zur Reduktion des Energieverbrauchs.

KCS fordert konsequente Umsetzung der Vorschläge aus dem Stakeholder Forum

Der KCS erinnert daran, dass bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Akteurinnen und Akteure in den Fachgruppen des Stakeholder Forums und des Bürgerrats intensiv an Vorschlägen für die Südtiroler Klimapolitik gearbeitet haben. Umso wichtiger sei es, dass die Ergebnisse dieser Beteiligungsprozesse nicht folgenlos bleiben und dass die politischen Klimaziele auch bei konkreten Infrastrukturentscheidungen konsequent berücksichtigt werden.

Der KCS fordert daher, die Diskussion über die Gasleitung nicht isoliert als lokale Infrastrukturfrage zu behandeln, sondern sie in den größeren Zusammenhang der Südtiroler Klimastrategie und des Ziels der Klimaneutralität 2040 zu stellen.

Eine neue Gasleitung für Jahrzehnte und Klimaneutralität 2040 passen nicht zusammen. Jetzt braucht es eine ehrliche Prüfung der Alternativen – und den Mut, fossile Infrastruktur nicht weiter auszubauen.

Wärmewende – so schnell es geht

Der Klima Club Südtirol reagiert mit tiefer Betroffenheit auf die jüngsten Extremwetterereignisse in Europa, darunter über 10.000 Hitzetote1 und 300.000 Evakuierte2 durch Waldbrände. Angesichts des Klimawandels fordert der Verein eine radikale Wärmewende und empfiehlt den schnellen Ausstieg aus fossilen Heizungen durch Nutzung der bis zu 80-prozentigen Landesförderung.

Der Klima Club Südtirol spricht den Angehörigen der tausenden Menschen, die in den vergangenen Monaten infolge der extremen Hitzewellen in Europa ihr Leben verloren haben, sein tiefes Mitgefühl aus. Ebenso gilt die Solidarität des Vereins den unzähligen Menschen, die durch die verheerenden Waldbrände ihr Zuhause verloren haben oder zur Flucht gezwungen wurden. Allein auf Sizilien, Sardinien, in Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland mussten mittlerweile mehr als 300.000 Menschen ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften Schutz suchen.

Ein großer Dank gilt den Einsatzkräften, die unter schwierigsten Bedingungen und oft rund um die Uhr im Einsatz waren, um Menschenleben zu retten und die Brände zu bekämpfen. Ihr außergewöhnlicher Einsatz verdient höchste Anerkennung und größten Respekt.

Die jüngsten Extremereignisse zeigen deutlich, dass die Auswirkungen des Klimawandels immer gravierender werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Hitzewellen und Waldbrände durch die fortschreitende Erderwärmung verstärkt werden. Sollte sich die globale Erwärmung wie prognostiziert fortsetzen, ist mit einer weiteren Zunahme solcher Katastrophen zu rechnen.

Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch abzuwenden, braucht es jetzt entschlossenes und rasches Handeln. Rund 80 Prozent der Erderwärmung sind auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückzuführen. Auch in Südtirol besteht weiterhin großer Handlungsbedarf: Noch immer werden mehr als die Hälfte aller Heizungen mit fossilen Energieträgern – insbesondere Erdgas – betrieben.

Der Klima Club Südtirol fordert daher einen konsequenten und möglichst schnellen Ausstieg aus fossilen Heizsystemen. Dass dieser Wandel möglich und von vielen Menschen gewünscht ist, zeigt sich bereits heute: Immer mehr Südtirolerinnen und Südtiroler ersetzen ihre Gasheizung durch klimafreundliche Alternativen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Landesförderungen für Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen deutlich gestiegen. Das Land Südtirol hat auf diese Entwicklung reagiert und weitere finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Landesrat Brunner hat mitgeteilt, dass “jeder Antrag, der den Kriterien entspricht, angenommen wird“. 

Der Klima Club Südtirol empfiehlt allen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern, die Möglichkeit zu nutzen, möglichst rasch auf erneuerbare Heizsysteme umzusteigen und die sehr großzügigen Landesförderungen von bis zu 80 Prozent in Anspruch zu nehmen. Gerade im Heizungsbereich verfügt Südtirol über die technischen Möglichkeiten, das notwendige Know-how und attraktive Förderinstrumente, um den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zügig voranzutreiben. Jetzt gilt es, diese Chancen konsequent zu nutzen – für den Klimaschutz, für mehr Versorgungssicherheit und für die kommenden Generationen.

Quellen:

1https://www.reuters.com/business/environment/europe-recorded-10000-excess-deaths-during-late-june-heatwave-data-show-2026-07-12/ 

2https://www.euronews.com/my-europe/2026/07/28/europe-is-burning-how-bad-could-this-wildfire-crisis-get

Hitzewellen, Abhängigkeit von fossilen Energien und verfehlte Klimaziele in Südtirol

Die Folgen der Abhängigkeit von fossilen Energien, insbesondere Erdgas und Erdöl, wurden uns in den letzten Monaten mit dem Krieg im Iran ein wiederholtes Mal vor Augen geführt. Die Folge: hohe Kosten für fossile Treibstoffe wie z. B. Benzin und Diesel und in weiterer Folge Milliarden Subventionen für fossile Energien. Durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern schreitet auch die Erderwärmung schneller voran als die Wissenschaft prognostiziert hatte. Das bedeutet massive Hitzewellen, Trockenheit, Waldbrandgefahr, Ernteausfälle …. Die Konsequenzen sind persönliches Leid und große sowie volkswirtschaftliche Schäden. 

Südtirol will 2040 Klimaneutral sein. Das bedeutet einen nahezu völligen Verzicht auf die Verbrennung von Gas innerhalb von 14 Jahren. Seit 2010 blieb der Gasverbrauch in Südtirol aufgrund der falschen Rahmenbedingungen fast unverändert. 

Die folgende Statistik zeigt den Gasverbrauch in Südtirol seit 2010.


Quelle: Bollettino Petrolifero; Datenaufbereitung und -darstellung: Eurac Research

Mit der in Italien bereits umgesetzten EU Richtlinie 2024/1788 wurde der Gasnetzbetreiber verpflichtet, bei sinkendem Bedarf von Erdgas konkrete Stilllegungspläne für die bisherigen Erdgasnetze zu erarbeiten. Auch in Südtirol steht uns das bevor, jedoch hört man bei unseren Gasnetzbetreibern und der Politik noch nichts.  Dabei wäre eine frühzeitige Planung für eine Stilllegung der Gasnetze essentiell, um soziale Härtefälle zu vermeiden. Die Fraunhofer Studie “Kosteneinsparungen einer frühen Gasnetzstilllegungsplanung” (hier klicken) hat ergeben, dass jene, die eine Gasheizung verwenden, bis 2045 mit 3.000 bis 4.000 Euro Mehrkosten im Jahr rechnen müssen, allein durch steigende Netzkosten..  

Südtirol braucht:

  • eine Kommunikationsinitiative des Landes und der Gemeinden, dass jene, die heute noch eine neue Gasheizung verbauen, eine ökologische und vor allem ökonomische Fehlentscheidung treffen. 
  • eine zielgerichtete Optimierung der bestehenden, finanziell attraktiven Förderung, um trotz hoher Zuschüsse praktische und bürokratische Hürden abzubauen, besonders bei Mehrparteienhäusern, autonomen Etagenheizungen, im Dienstleistungssektor und in der Hotellerie. Nur so können Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass der vollständige Umstieg der geschätzten 50.000 bis 60.000 Gasheizungen in Südtirol bis 2040 auf regenerative Systeme (Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse) in der Praxis auch tatsächlich gelingt. 
  • eine massive Ausweitung des Beratungsangebotes, vor allem auf Gemeindeebene und verstärkt in jenen Gemeinden, wo immer noch mehrheitlich mit Gas geheizt wird.
  • Wärmepläne für jede Gemeinde, aus denen hervorgeht, wie in den Gemeinden in 10, 20, 30, Jahren geheizt werden soll.

Heizen mit Strom und Biomasse aus Südtirol muss oberste politische Priorität werden. Heute gibt das Land jährlich mehr Geld für einen touristischen Parkplatz am Reschensee aus als für die gesamte Wärmepumpenförderung im Jahr (Quelle: Stol-Artikel “Beitrag für Energie in Südtirol: So viele Anträge gibt es und so viel Geld”) bzw. weniger als 0,05 % vom Landeshaushalt. Ein Armutszeugnis für Energieautarkie und den Klimaschutz. 

Der rechtzeitige, strategisch geplante Ausstieg aus fossilen Energien ist dringend erforderlich, macht uns freier, steigert die lokale Wertschöpfung, schafft lokale Arbeitsplätze und verhindert soziale Ungerechtigkeiten.  

Der Appell des Klima Club Südtirol: Die Wissenschaft ist sich einig, die Klimakrise ist real und gefährlich, wir können das Schlimmste noch verhindern, wir müssen uns aber viel mehr anstrengen, ziehen wir alle an einem Strang! 

Kurzversion: Verwaltungsgericht Bozen kippt Teile des Energie-Dekrets: 

Nicht weniger Klimaschutz, sondern mehr Rechts- und Planungssicherheit

Verwaltungsgericht Bozen kippt Teile des Energie-Dekrets

Nicht weniger Klimaschutz, sondern mehr Rechts- und Planungssicherheit

Das Urteil als Auftrag

Nicht bremsen, sondern beschleunigen

Wie wollen Südtirols Gemeinden mit neuen Gas- und Ölheizungen bis 2040 klimaneutral werden?

Südtirol hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Klimaneutralität bis 2040. Zahlreiche Gemeinden bekennen sich öffentlich zu diesem Ziel und verabschieden Klimapläne sowie Nachhaltigkeitsstrategien. Dafür wird auch viel Steuergeld eingesetzt. Gleichzeitig prozessiert eine mehrheitlich im Besitz der Gemeinden stehende Gesellschaft gegen das Land Südtirol, dass weiterhin neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden dürfen.

  • klare politische Rahmenbedingungen für den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen und eine Strategie für die Stilllegung großer Teile der Erdgasnetze
  • verbindliche Zeitpläne für Gemeinden, insbesondere für sogenannte Wärmepläne
  • gezielte Förderungen und Beratung für Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse und andere erneuerbare Lösungen 

Für eine fossilfreie Zukunft: Südtirols Gemeinden müssen Verantwortung übernehmen

Das D.LH. 6/2025 – ein Rückblick

  • Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Maßnahmen zur Energieeffizienz
  • Kritik und fehlende Kontrollmechanismen


Das D.LH. 6/2025 – ein Ausblick

Wärmewende statt fossiler Abhängigkeit

Ein Appell an die Gemeinden

Wasserstoff in Südtirol – quo vadis 

Wasserstoff wird in klima- und energiepolitischen Debatten kontrovers diskutiert. Auch in Südtirol ist das Thema Wasserstoff aktuell sehr präsent, vor allem, weil bald 20 Mio € in ein neues Wasserstoffzentrum investiert werden. 

  • Wasserstoff (H2) ist in der Natur nur in geringem Maße vorhanden , . In der Regel muss er deshalb  über energieintensive chemische Prozesse produziert werden. Da er durch Reaktion (z. B. bei der Verbrennung)  mit Sauerstoff (O2), beispielhaft aus der Luft, zu harmlosem Wasser oxidiert und dabei die bei seiner Produktion zugefügten Energie wieder freisetzt, kann er als Energiespeicher verwendet werden.
  • Wasserstoff wird aktuell in größerem Maßstab für Industrieprozesse benötigt und überwiegend aus Erdgas mittels Dampfreformierung produziert. Dabei wird für den Prozess Erdgas und dessen gespeicherte Energie genutzt. Es entsteht als Nebenprodukt Kohlendioxid (CO2), das in die Atmosphäre emitiert wird und somit als Treibhausgas wirkt. Der so produzierte Wasserstoff wird daher als “grauer Wasserstoff” bezeichnet.
  • Wasserstoff kann zudem mittels elektrischer Energie durch Elektrolyseure direkt aus Wasser produziert werden, wobei als Nebenprodukt nur harmloser Sauerstoff (O2) entsteht. Sofern die elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, ist diese Umwandlung klimaneutral und wird  als “grünen Wasserstoff” bezeichnet.
  • Eine klassische Verbrennung beispielhaft in einem Großkraftwerk zur Stromproduktion, mit Verlusten von rund 40-60%.
  • Mittels Brennstoffzellen, die beim aktuellen Entwicklungsstand ebenfalls rund 30-40% Verluste aufweisen. Insgesamt betragen daher auch in diesem Fall die Verluste von der Produktion des Wasserstoffs bis zur Verwendung der gespeicherten Energie 50-70%.

Zukunftschance Batterien?

Ein Blick nach Innen Zukunftschance Batterien?

Weiterführende Informationen

Geladen – der Batterie Podcast

Tagesspiegel – Gradmesser

Der Standard

MAN-Chef: „Wir sehen, dass Wasserstoff viel zu teuer ist

Einteilung von Wasserstoff-Einsatzgebieten nach Energieeffizienz

Die Südtiroler Wasserstoffillusion – Ein Millionengrab?

„Alle öffentlichen Investitionen in die Wasserstoffmobilität stoppen und ein Expertengremium zur Neuausrichtung der Wasserstoffstrategie einrichten“,  fordert der Klima Club Südtirol (KCS). 

Südtirols Wasserstoffstrategie ist mittlerweile mehrere Jahre alt und sollte dringend überarbeitet werden. Der KCS ist für Wasserstoff in Bereichen wie der saisonalen Energiespeicherung, der chemischen Produktion und der grünen Stahlerzeugung, jedoch gegen Wasserstoff bei Bussen, Zügen und im Schwerlastbereich. Industrien, wo es in Zukunft Wasserstoff benötigt, gibt es in Südtirol kaum!

Südtirol investiert mehrere Millionen Euro in Wasserstoffbussen und Wasserstofftankstellen – mit demselben Betrag könnten heute schon vermehrt batterieelektrische Busse im innerstädtischen aber auch im Überland-Bereich finanziert werden. Insbesondere die elektrische Infrastruktur für die Beladung von Elektrobussen und LKWs bedarf eines raschen Ausbaus. Eine konsequente Förderung der Elektromobilität könnte Südtirols Mobilität langfristig nachhaltig machen.

Der batterieelektrische Antrieb ist bis zu dreimal energieeffizienter und zudem günstiger als Wasserstoffmobilität und bereits millionenfach am Markt verfügbar. Führende LKW- und Bushersteller bekennen sich öffentlich dazu, dass der Wasserstoffantrieb lediglich eine Nischenlösung darstellt, während sich die Gegenwart und Zukunft eindeutig in Richtung batterieelektrischer Antrieb bewegen. Südtirol, mit seiner hohen Stromverfügbarkeit, oft belasteten Luftqualität und idealen Geländetopographie, bietet perfekte Voraussetzungen für batterieelektrische Busse als Schlüssel zu einem grünen öffentlichen Verkehr – insbesondere dort, wo leitungsgebundene Verkehrsmittel wie Züge oder Straßenbahnen nicht einsetzbar sind.

Südtirol braucht keine Illusionen, sondern kluge und nachhaltige Entscheidungen. Der Klima Club fordert die Verantwortlichen auf, umzusteuern und den Weg für eine saubere und zukunftssichere Mobilität zu ebnen.

Aus für Verbrenner in der EU ab 2035