Die Folgen der Abhängigkeit von fossilen Energien, insbesondere Erdgas und Erdöl, wurden uns in den letzten Monaten mit dem Krieg im Iran ein wiederholtes Mal vor Augen geführt. Die Folge: hohe Kosten für fossile Treibstoffe wie z. B. Benzin und Diesel und in weiterer Folge Milliarden Subventionen für fossile Energien. Durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern schreitet auch die Erderwärmung schneller voran als die Wissenschaft prognostiziert hatte. Das bedeutet massive Hitzewellen, Trockenheit, Waldbrandgefahr, Ernteausfälle …. Die Konsequenzen sind persönliches Leid und große sowie volkswirtschaftliche Schäden.
Südtirol will 2040 Klimaneutral sein. Das bedeutet einen nahezu völligen Verzicht auf die Verbrennung von Gas innerhalb von 14 Jahren. Seit 2010 blieb der Gasverbrauch in Südtirol aufgrund der falschen Rahmenbedingungen fast unverändert.
Die folgende Statistik zeigt den Gasverbrauch in Südtirol seit 2010.
Quelle: Bollettino Petrolifero; Datenaufbereitung und -darstellung: Eurac Research
Mit der in Italien bereits umgesetzten EU Richtlinie 2024/1788 wurde der Gasnetzbetreiber verpflichtet, bei sinkendem Bedarf von Erdgas konkrete Stilllegungspläne für die bisherigen Erdgasnetze zu erarbeiten. Auch in Südtirol steht uns das bevor, jedoch hört man bei unseren Gasnetzbetreibern und der Politik noch nichts. Dabei wäre eine frühzeitige Planung für eine Stilllegung der Gasnetze essentiell, um soziale Härtefälle zu vermeiden. Die Fraunhofer Studie “Kosteneinsparungen einer frühen Gasnetzstilllegungsplanung” (hier klicken) hat ergeben, dass jene, die eine Gasheizung verwenden, bis 2045 mit 3.000 bis 4.000 Euro Mehrkosten im Jahr rechnen müssen, allein durch steigende Netzkosten..
Südtirol braucht:
- eine Kommunikationsinitiative des Landes und der Gemeinden, dass jene, die heute noch eine neue Gasheizung verbauen, eine ökologische und vor allem ökonomische Fehlentscheidung treffen.
- eine zielgerichtete Optimierung der bestehenden, finanziell attraktiven Förderung, um trotz hoher Zuschüsse praktische und bürokratische Hürden abzubauen, besonders bei Mehrparteienhäusern, autonomen Etagenheizungen, im Dienstleistungssektor und in der Hotellerie. Nur so können Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass der vollständige Umstieg der geschätzten 50.000 bis 60.000 Gasheizungen in Südtirol bis 2040 auf regenerative Systeme (Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse) in der Praxis auch tatsächlich gelingt.
- eine massive Ausweitung des Beratungsangebotes, vor allem auf Gemeindeebene und verstärkt in jenen Gemeinden, wo immer noch mehrheitlich mit Gas geheizt wird.
- Wärmepläne für jede Gemeinde, aus denen hervorgeht, wie in den Gemeinden in 10, 20, 30, Jahren geheizt werden soll.
Heizen mit Strom und Biomasse aus Südtirol muss oberste politische Priorität werden. Heute gibt das Land jährlich mehr Geld für einen touristischen Parkplatz am Reschensee aus als für die gesamte Wärmepumpenförderung im Jahr (Quelle: Stol-Artikel “Beitrag für Energie in Südtirol: So viele Anträge gibt es und so viel Geld”) bzw. weniger als 0,05 % vom Landeshaushalt. Ein Armutszeugnis für Energieautarkie und den Klimaschutz.
Der rechtzeitige, strategisch geplante Ausstieg aus fossilen Energien ist dringend erforderlich, macht uns freier, steigert die lokale Wertschöpfung, schafft lokale Arbeitsplätze und verhindert soziale Ungerechtigkeiten.
Der Appell des Klima Club Südtirol: Die Wissenschaft ist sich einig, die Klimakrise ist real und gefährlich, wir können das Schlimmste noch verhindern, wir müssen uns aber viel mehr anstrengen, ziehen wir alle an einem Strang!
